Fabian Fromm

Dennis Malaika

Hendrik “Handygamer” Ronge: Fangen wir zunächst mit dem Einfachsten an: Wer seid ihr? Was macht ihr?

Fabian “Pwny” Fromm: Ich würde sagen, Dennis fängt am Besten an, denn er ist schon ein kleines Stück länger mit dabei und ich bin über ihn zur UEG gekommen.

Dennis “Oldschool” Malaika: Mein Name ist Dennis Malaika. Ich bin seit den Anfängen der UEG mit dabei. Ich hatte zusammen mit René [“Meat Salad” Riederer, d.Red.] die Idee einer Uniliga und habe darüber dann auch Fabian kennengelernt, der dazugestoßen ist, als wir unsere erste Webpage hochgezogen haben. Darauf haben wir Martin und die anderen gefunden – so hat das Ganze begonnen.

Anfangs war ich eigentlich für die Streamentwicklung zuständig, das hat der ein oder andere ja noch mitbekommen. Damals gab es auch ein paar Highlights, die heute nicht mehr einzusehen sind. Aber mittlerweile habe ich den Stream an Baskim weitergegeben, der einen sehr guten Job macht.

“Was mache ich jetzt?” – Ich bin jetzt hauptsächlich für’s Eventmanagement und die UEM zuständig, also für die internationale Kommunikation. Ansonsten eigentlich auch alles, was Orga-Arbeiten angeht: wenn Hilfe gebraucht wird, dann bin ich dabei. Zum Beispiel, wenn wir verschiedene Angebote anfertigen oder Gespräche führen mit Interessenten an der Uniliga, ob’s Sponsoren sind, Studenten oder Publisher.

Fabian: Ich bin dazu gekommen, als ich damals angefangen habe, zu studieren und mir sowas an meiner Uni, in Frankfurt, gefehlt hat. Da habe ich mich einfach mal im Internet schlau gemacht und bin dann auf Dennis gestoßen, der zu diesem Zeitpunkt schon ein erstes Forum, wo man sich finden konnte, angefertigt hatte. Es gab, glaube ich, auch schon eine Social Media bzw. Facebook-Seite. Das habe ich auf jeden Fall im Internet gefunden und habe dann direkt mal den Dennis angeschrieben. Er meinte, sie sind noch am Anfang und suchen noch Leute. Da dachte ich mir, warum nicht? Könnte man doch mal durchstarten, ich bin sicher nicht der Einzige, der auf sowas wartet. Dann haben wir erstmal zu viert angefangen, das Ganze zu planen.

Zu Beginn war ich zunächst dafür zuständig, in der Organisation der ‘League of Legends’-Liga mitzuhelfen und das Ganze immer weiter aufzuziehen. Irgendwann bin ich dann dazu übergegangen, die Ligaleitungen zu verwalten, die neuen Spiele, die wir anbieten, in unseren Wettbewerb einzugliedern und neue Mitglieder aufzunehmen. Also sehe ich mich jetzt im Moment als eine Art Liga- und Communitymanager der UEG. Ich bin aber auch immer bei den wichtigen Entscheidungsfragen dabei, die es halt unter uns Gründern zu treffen gibt – also unter Martin, Dennis und mir – wenn es um den Fortbestand und die Zukunft der UEG geht.

Hendrik: Ihr habt jetzt gesagt, ihr wart von Anfang an dabei. Für diejenigen, die die UEG gar nicht oder noch nicht so lange kennen, wann war das? Und wie war das damals?

Fabian: Ohje, das müsste… Zweieinhalb Jahre müsste das her sein.

Dennis: Also ich hab mal im alten Forum nachgeschaut…

Fabian: Ohja, das gibt’s ja noch!

Dennis: Da steht 22. März 2015. Also zweieinhalb Jahre.

Fabian: Also das war der Zeitpunkt, wo wir das allererste Mal Kontakt aufgenommen haben, wo dann dieses Forum entstanden ist und wo es noch gar keine genauen Ideen zur UEG selbst gab, sondern wir alle nur dieselben Ambitionen und denselben Wunsch hatten und zwar einen eSports-Wettbewerb zwischen Universitäten. Aber da stand noch kein Konzept oder sonstiges. Das kam dann erst über’s nächste halbe Jahr, als wir uns dann alle zusammengesetzt und das erste Mal getroffen haben. Beim ersten „Gründertreffen“ praktisch, was dann so laienhaft bei mir in der Wohnung stattgefunden hat, alle mit einem Bierchen in der Hand. Das war quasi die offizielle Gründung, die ein halbes Jahr nach dem ersten Kontakt stattgefunden hat, also vor ungefähr zwei Jahren.

Hendrik: Ihr habt jetzt schon ein bisschen darüber gesprochen, was ihr so macht, was ihr damals so gemacht habt. Wie sieht denn heute euer “UEG-Alltag” aus? Was sind so ganz klassische Aufgaben, die euch häufig beschäftigen? Was sind Gruppen von Personen, mit denen ihr häufiger zu tun habt?

Dennis: Also bei mir ist das in letzter Zeit die UEM. Die UEM war jetzt in letzter Zeit stark im Fokus. Wir hatten da ja zuletzt unsere Finals in Portugal. Das ist ein Riesenakt, solche Events hochzuziehen. Man muss die Teams managen: dass die dahin kommen, dass die vom Flughafen da rüber kommen, dass das auf dem Event auch alles passt, dass jeder weiß, wann er wo zu sein hat, dass wir genau alles durchstrukturiert haben.

Das Event war ein Riesenerfolg; vor Ort waren Twitch, Riot und so weiter. Das war vor allem auch eine interessante Erfahrung. Ich will jetzt nicht sagen, dass es Alltag ist, aber es häuft sich in letzter Zeit, dass wir mit größeren Firmen den Kontakt suchen, um eben neue Projekte an den Start zu bringen. Das wird, sag ich mal auch in die Zukunft blickend, dann auch mein Alltag sein. Dass ich versuche, immer neue Konzepte und Events zu entwickeln, damit die UEG auch immer was Neues für unsere Studenten in petto hat.

 

Die University eSports Masters (UEM) sind ein Verbund europäischer Universitätsligen im eSports. In der Vergangenheit wurden auf dieser Ebene einige größere Veranstaltungen durchgeführt, zuletzt die Europameisterschaft in Portugal, deren deutschsprachige Übertragung die UEG über Twitch durchgeführt hat. Weitere Informationen finden sich auf den social media Kanälen der UEM (Facebook: /UniversityeSportsMasters, Twitter @uemasters).

Fabian: Ich bin im Moment am meisten damit beschäftigt, die Pioneer-Arbeit zu betreiben, genauer: die Leitung der Pioneer-Abteilung. Ich arbeite ganz eng mit Jonas [“JohnnyBuilder” Lüchau, d. Red.] zusammen, der im Moment die ganzen neuen Clubgründer sammelt, die halt an den Unis gerne was aufbauen würden. Ich bin da ganz nah bei den Pioneers dabei, weil ich das unterstütze und ihm auch immer gerne helfe.

Zum andern ist mein anderes Aufgabengebiet ganz klar die bestehenden Ligen und auch die neuen Ligen, die wir anbieten wollen, sowie die Planung der StudiCups, von denen jetzt auch einige anstehen. Da muss ständig geschaut werden: „Was funktioniert?“, „Wo fehlt es?“, „Wer braucht noch Hilfe?“, „Welches Regelwerk ist eventuell noch nicht ganz fertig?“ und ich muss auch ein Auge darauf haben, dass jede Abteilung ihren Teil erfüllt und das alles auch gemäß unseren Ansprüchen angefertigt wird. Außerdem muss immer noch überprüft werden, ob die Organisation, der Ligaablauf und so weiter, schlussendlich auch gut verlaufen ist. Dazu muss dann natürlich auch noch Feedback gesammelt werden und das Feedback auch weitergegeben werden, damit die Ligen davon profitieren und in Zukunft besser arbeiten.

Das Pioneer-Projekt der UEG ist dafür gedacht, die Entstehung von Teams und Clubs an deutschen Hochschulen zu fördern. Basierend auf dem Wissen und den Erfahrungen von bestehenden Teams, Clubs und Vereinen stellt die UEG Interessierten Erfahrungsberichte, Ratschläge und sogar Mentoren als Ansprechpartner zur Seite. Viele unserer Mentoren haben selbst an ihrer Hochschule den Standort mitgegründet und haben, z.B. in Bayreuth oder Karlsruhe, auch schon über zwei Jahre Erfahrung sammeln können. Weitere Informationen und Kontaktdaten finden sich auf http://ueg-liga.de/werde-ein-pioneer/

Hendrik: Wenn ihr über die zwei Jahre jetzt zurückblickt, welche Zwischenerfolge waren für euch besonders wichtig? Worauf seid ihr besonders stolz?

Fabian: Ich glaube, das größte Erfolgserlebnis für mich persönlich war tatsächlich der erste Livestream, der bei uns die 2000 Zuschauer geknackt hat. Das war die Europameisterschaft. Ein deutsches Team im Livestream zu sehen, das uns als UEG, als Deutsche, als Universitätsliga in Deutschland vertritt und da für uns auf einer internationalen Bühne spielt. Das war ein geiles Gefühl und ich glaube, das haben viele mir nachempfunden. Da war natürlich auch jeder direkt für Deutschland und stand sofort dahinter. Und das hat halt dieses Gemeinschaftsgefühl hervorgerufen, was man sonst nur so von etwas wie einer Fußballweltmeisterschaft her kennt.

Dennis: Gemeinschaftsgefühl finde ich ein richtiges gutes Stichwort und das Wort würde ich auch sehr, sehr groß schreiben. Was für mich immer sehr wichtig war, was ich mir eigentlich am meisten gewünscht habe von der Uniliga und was dann auch zuletzt bei der Gamescom beim ein oder anderen dann auch in Kraft getreten ist, ist, dass die Leute in die Szene rein kommen, dass die Leute Anhang finden, dass sie Zugang finden zum eSports. Einzelne haben den ein oder anderen Job gefunden auf der Gamescom, wo sie casten konnten, wo sie weiter Erfahrung sammeln konnten, die sie eben als erstes bei uns gemacht haben und ich finde das so ein Punkt, auf den ich auch ganz, ganz lange stolz sein werde: dass wir den Leuten eine erste Plattform bieten, auf der sie etwas aufbauen können. Die Leute, die halt Bock darauf haben, kommen zu uns und das ist eine wirklich schöne Entwicklung, da freue ich mich eigentlich am meisten drüber. Der nächste Schritt wäre natürlich, dass wir möglichst jeden, der bei der UEG mal war, der im eSport tätig sein will, irgendwie unterbringen – zu guter Letzt vielleicht auch längerfristig bei uns selber mit unterbringen. Wir wollen ja natürlich Leute, die wir ausbilden, auch behalten.

Fabian: Ja, das finde ich eigentlich auch einen wirklich guten Gedanken. Einfach mal zu sehen, wie sich die einzelnen Leute auch selbst weiterentwickeln. Wenn wir das mal konkret an einem Beispiel durchspielen: Niels [“MangoSh4rk” Tönjes, play-by-play caster in League of Legends, d.Red.], der am Anfang zu uns kam und erstmal noch gar nicht so recht wusste, was abgeht, der ist super gut geworden und der weiß ganz genau, was er tut und wird immer besse. So langsam kriegt er jetzt auch die Aufmerksamkeit, die er eigentlich mit dem Talent, das er hat, verdient. Das wäre nicht zustande gekommen, wenn er sich nicht bei uns beworben hätte, bei uns mitgemacht hätte und dann im Stream zu sehen gewesen wäre. Und das ist halt einfach auch für uns ein geiles Gefühl zu sehen, hey wir haben da jemanden, auf den können wir uns verlassen und der macht seine Arbeit wirklich gut und die Leute draußen, die sehen das auch, die unterstützen das auch und die honorieren das auch.

Hendrik: Zusätzlich zur Förderung von Beteiligten in der UEG freut ihr euch mit ihnen, wenn sie auch außerhalb Erfolg haben – das ist schön zu hören! Aber für euch, was sind so die Projekte, die euch momentan so beschäftigen, wo ihr sagt, da hätte ich gerne mit Erfolg? Welches aktuelle Projekt findet ihr am spannendsten oder interessantesten?

Fabian: Also bei mir ist es jetzt tatsächlich das Pioneer-Programm, da treffe ich im Moment jede Woche eine neue Person auf dem Teamspeak, die irgendwo aus irgendeinem, ich sag mal “Kaff”, kommt, wo es eine kleine Universität gibt und die dort eine eSports-Abteilung aufbauen möchte. Das entsteht überall in Deutschland und es sind immer mehr Universitäten, von denen wir da Anfragen bekommen. Wir haben in den letzten paar Monaten elf oder zwölf Leute gesammelt, die an diesem Pioneer-Projekt teilnehmen und die auch alle eine andere Uni vertreten. Und ich denk auch nicht, dass das jetzt so schnell abflauen wird. Sondern ich gehe davon, dass da jetzt noch einige dazukommen werden. Das ist eine super spannende Entwicklung, wie das jetzt exponentiell wächst.

Dennis: Was für mich sehr wichtig ist, ist der Kontakt zu den Publishern, zu den Schlüsselpersonen in der eSports-Szene, die uns dabei helfen können, dass dieses Projekt wächst, dass es auch in Bahnen gelenkt wird, wo jeder Einzelne immer mehr davon profitieren kann. Je mehr Akteure an diesem Projekt interessiert sind – und sie sind an diesem Projekt interessiert, denn es ist ein Projekt, das bindet, es ist ein Community-Projekt und genau deswegen wird es auch erfolgreich sein in Zukunft – je mehr Akteure interessiert sind, desto eher können wir dafür sorgen, dass wir bessere Preisgelder haben, dass wir viel mehr Events anbieten können, dass wir insgesamt einfach den Leuten für ihre Unterstützung mehr zurückgeben können. Denn momentan sehen wir eben viel Emotion und auch Eifer bei den Leuten, die bei uns mitmachen, und wir wollen den Leuten gerne auch mehr zurückgeben. Wir sind momentan an einem Punkt, wo wir schon einiges geben können, aber es soll eben kein Limit geben.

Hendrik: Wenn wir jetzt sowieso schon von der Zukunft sprechen, was sind für denn euch die nächsten Zwischenschritte oder Meilensteine in näherer und auch fernerer Zukunft, für euch, eure Abteilungen oder auch die UEG?

Dennis: Also einer der näheren Schritte wäre jetzt einmal, die Strukturen innerhalb der UEG zu festigen. Momentan sind wir innerhalb der UEG noch etwas, sagen wir, lose unterwegs. Wir würden gerne einerseits unsere Leute mehr verpflichten, ihnen aber andererseits auch mehr entgegenkommen und unter die Arme greifen. Das ist etwas, das wir in näherer Zeit versuchen: dass wir unsere Strukturen festigen, dass das ganze Projekt auch professioneller wird. Die Professionalität versuchen wir ja von Jahr zu Jahr sowieso zu steigern.

Und langfristig, dass wir eben größer werden, größere Events veranstalten können, mehr Preise auszahlen können. Wie sagt man: „the bigger, the better“.

Fabian: Ich bin im Moment größtenteils noch mit der Einführung der neuen Ligen und der neuen Spiele beschäftigt, die im Moment bei uns noch nicht vertreten sind. Zukünftig wird bei mir erstmal noch große Priorität haben, die vorhandenen Ligen zu festigen und zu professionalisieren und die neu kommenden Spiele zu organisieren und in die UEG einzugliedern und darüber hinaus die Turnierstruktur und natürlich auch die entsprechenden StudiCups zu organisieren bzw. die Teams aufzubauen, die das organisieren sollen. Da werden, glaube ich, noch einige interessante Spiele im nächsten Jahr bei uns angeboten werden.

Hendrik: Das klingt ja schon mal recht spannend und  vielleicht auch ein bisschen mysteriös…

Dennis: Lasst euch überraschen! [lacht]

Hendrik: …Wollt ihr der Community oder denjenigen, die das Interview lesen, noch etwas mit auf den Weg geben, etwas was euch auf dem Herzen liegt oder etwas, was ihr euch von denjenigen, die mehr oder weniger schon beteiligt sind, noch wünschen würdet?

Fabian: Ich glaube, man kann ganz klar festhalten, dass der einzige Grund, wieso so etwas noch nie früher entstanden ist, einfach der ist, dass es keiner gemacht hat. Ich glaube nicht, dass wir die ersten waren, die jetzt hier das Rad neu erfunden haben und etwas gemacht haben, woran vorher noch keiner gedacht hat. Sondern ich glaube, wir waren einfach die ersten, die gesagt haben: „Scheiß drauf, wir machen’s jetzt einfach, egal was es uns kostet und wieviel Schweiß, wieviel Blut es uns kostet.“ Und wir haben es einfach durchgezogen. Ich glaube, das kann sich jeder so ein bisschen als Vorbild nehmen. Und wenn er dann an die Uni geht und so etwas machen möchte, dann soll er sich einfach melden und soll an der Uni ein bisschen was durchstarten und dann ist das auch viel machbarer, als man am Anfang denkt.

Dennis: Und um die Wortwahl so bisschen aufzunehmen: das „scheiß drauf, ich mach’s einfach“, das kann sich auch wiederfinden, wenn ihr irgendwie Bock habt, irgendwas im eSports zu machen. Zum Beispiel: Ihr habt eine Idee und wisst nur nicht, wie ihr das realisieren könnt. Da sind wir sind gerne Ansprechpartner für euch, und zugleich Kontaktmann und Netzwerker. Kommt mit den Ideen zu uns, wir schauen ob sich’s realisieren lässt, wir beraten euch! Wenn ihr einen Club an der Uni gründen wollt, ist Fabi mit seinem Pioneer-Programm natürlich für euch da. Aber auch wenn es nicht mal unbedingt was am Uni-Netzwerk ist, wir sind trotzdem gerne da, hören euch zu, hören uns die Ideen an. Eigentlich alles was studentisch, vielleicht auch sogar start-up-mäßig ist, würde uns auch auf jeden Fall interessieren und da helfen wir auch gerne, wenn wir können.

Hendrik: Dann sage ich abschließend nochmals: vielen Dank euch für das Interview!

Fabian: Kein Problem!

Dennis: Vielen Dank auch!